Steinfigur Leser mit zwei Büchern

"Allein unter Gurken" von Andreas Hoppe

by

... besser bekannt als Tatort-Kompagnon Kompagnion Mario Kopper von Lena Odenthal aka Ulrike Folkerts.

Titel und Rückseite Andreas Hoppe "Allein unter Gurken"

Ich sag's ehrlich, eigentlich war ich auf der Suche nach einem anderen Buch. Und der Herr Hoppe fiel mir da zufällig in die Hände. Am Problem regional und bio kranke ich auch gerade, mitten in Berlin sind die Hofläden eben nicht so eng gestreut. Gemüsekisten-Abo ist auch nicht so meins, die Wochenmärkte verstecken sich vor mir - also irgendwie klappt's nicht so recht. Andreas Hoppe scheint das selbe Problem zu haben, schaue ich doch mal rein wie der das macht.

Die erste Überraschung: der Typ scheint ganz in meiner Nähe zu wohnen, einige der von ihm beschriebenen Geschäfte kenne ich auch nämlich. Per Tatort verortet man ihn ja irgendwie nach Ludwigshafen, was natürlich Nonsense ist. Also Hoppe hat es gut weil er a) eine Freundin hat, die Ernährungsberatung studiert (so habe ich das verstanden) und b) genug Zeit und Geld sich ein Haus in Brandburg zu kaufen. Das ist natürlich schön, fällt für mich aber aus. Ich muss nach Feierabend suchen, wo ich meine Bio-Dinkelbrötchen herkriege. Und da ist es natürlich von Vorteil, wenn man in der beschriebenen Gegend wohnt - wird leider nur auf die wenigsten Leser zutreffen. Im Anhang gibt es dann auch noch zwei Seiten mit den entsprechenden Webadressen der Läden.

Im Buch wechseln sich Andreas' Phantasien beim Tatortdreh, den Erinnerungen an seine Großeltern und Indianer-Urlaub ab mit den handfesten Erlebnissen des Großstädters und Teilzeitlandwirts, -gärtners. Und das sind dann die Sachen die mich wirklich interessiert haben. Wo bekomme ich vernünftige Lebensmittel her und was kann im Tomatenbeet schiefgehen (obwohl ich auf absehbare Zeit kein eigenes besitzen werde)? Kräuter im Blumenkasten klappen wohl nicht. Biologisch und regional soll es sein, Andreas Hoppe leidet unter anderem unter Weinentzug, der kommt nämlich von ziemlich weit her. Müsste er nicht, denn den gibt's auch regional. Alles was man aber dennoch haben will (und was nicht bio und regional ist) kommt auf die rote Liste - gut wenn man weiß, dass man Sch***e baut.

Die Erinnerungen an die Großeltern sind sympathisch, der Berliner Dialekt (geschrieben) geht mit jedoch auf die Nerven. Das ist einfach mal gesprochene Sprache und schreiben sollte man so eben nicht. Auf die Indianergeschichten und Abschweifungen zu Zeus und einem außerirdischen Imperator hätte ich komplett verzichten können. Bei der Episode über die Grüne Woche verwundert mich nur, dass Andreas Hoppe glaubte dort einen ruhigen Vormittag verbringen zu können.

Ich möchte das Buch allen Mario-Kopper-Fans empfehlen, ich denke bei den meisten wird das Andreas Hoppe einfach sein. Da erfährt man etwas über den Schauspieler. Berliner und speziell Charlottenburger finden vielleicht ein paar neue Adressen zu denen sie hinschlendern können. Für alle anderen ist das Buch sicher ein weiterer Anstoß, nicht nur auf Bio-Produkte zu achten, sondern auch woher sie kommen. Gurken aus Bulgarien, die nach EU-Bio-Vorschrift produziert sind nützen uns nichts. Für alle die auf den Geschmack gekommen sind: Ein weiterer Selbstversuch zum Thema Essen (bio, vegetarisch und sogar vegan) ist  "Anständig Essen" von Karen Duve.