Das Trüffeltrauma und wie ich es überwand

by

Kürzlich, am letzten November-Wochenende, war ich in Rom. Plus 20 Grad und Sonnenschein, da kann man es sich schon mal gut gehen lassen. Meine Idee war, endlich mal wieder ein paar Nudeln mit frischen Trüffeln zu bekommen. Sie kennen das möglicherweise: Ein riesiger Käselaib, da wird dann etwas drin rum-gehobelt, eine paar Nudeln durchgezogen und Trüffel drüber. Hobel, hobel - “Noch mal für 10 Euro?”

In einem empfohlenen Restaurant (2010 ein Michelin-Stern) gab es dann die gewünschte Kombination: 26 Euro die Nudeln und 50 für eine Portion Trüffel. Aber wie das so ist bei einem Gruppenausflug, die Kasse wird auf alle aufgeteilt und ich dachte mir: Nee, das kannst'e nicht machen! Gut, dass wir uns dann alle für das Überraschungs-Meeresfrüchtemenü entschieden haben, was mit 130 Euro zu Buche schlug (später dazu mehr.)
Conclusione: Keine Trüffel in Rom und mit gewaltigem Trüffeltrauma zurück.

Trüffel mit Rum in der Via Condotti

Das Restaurant mit dem Namen der bekannten italienischen Einkaufsstraße befindet sich in der Berliner Fasanenstraße und das schon einige Jahre, so dass man auf Beliebtheit möglicherweise aus Qualitätsgründen schließen kann. Freundliches Personal und alles verläuft wie gewünscht: Der Käse rollt heran und als kleines Highlight gibt es eine flambierte  Rumsoße über die Nudeln. Rotweinauswahl etwas eingeschränkt, was die offenen Flaschen angeht. Als Dessert Pannetone mit Vanillesoße, das war schon fast zu viel des Guten.

Kurz vor dem Start, gleich kommen  die ersten Trüffel
Kurz vor dem Start, gleich kommen die ersten Trüffel

Trüffel auf Tagliatelle
Trüffel auf Tagliatelle

Teller mit Kuchenstück
Panettone mit Vanillesoße zum Dessert

Zufrieden das Via Condotti verlassen und hier könnte der Artikel enden - tut er aber nicht.

Weiße Trüffel im Rutz

Wirklich, echt zufällig verschlug es mich und sie am nächsten Tag in die Weinbar Rutz. Und nach dem wir schon einen kleinen Imbiss zu uns genommen hatten, hörten wir, dass es weiße Trüffel gäbe. Da könnte man ja noch mal einen drauf setzen dachte ich mir. Aufgrund drangvoller Enge und Nicht-Reservierung unsererseits, saßen wir an der Bar (nicht der schlechteste Platz, wie ich hier mal betonen möchte) und auf der Bar stand das Trüffeltablett. Eine Schale mit Reis, in die der Trüffel gebettet war. Dazu ein weißer Handschuh, ein Hobel und eine kleine (Brief-) Waage. Der Trüffelduft ist wirklich zum niederknien. Dann kamen die Nudeln … “Ihr müsst die Trüffel ordentlich in die Soße tauchen, das verstärkt das Aroma”, sagt Lucie, die Chefin der Bar. Hab’s mit und ohne probiert. Eine kräftige Soße tut was dazu, soviel ist klar. Braucht man’s? Sie sagt nein. Außerdem muss ich unbedingt noch die Champagner-Empfehlung  des Abends los werden:Fidele, VOUETTE & SORBÉE extra brut - Cognac-Töne, nicht zu trocken - war grad' offen, nicht in der Karte.

Trüffel in Reis, Hobel, Waage und Handschuh
Das Trüffelgedeck - Trüffel in Reis, Hobel, Waage und Handschuh

Teller mit Nudeln und Trüffel
Weiße Trüffel in der Weinbar Rutz

Flasche Champagner
Champagner Fidele

Mit den weißen Trüffel als Krönung könnte dieser Artikel zu Ende sein - ist er aber nicht.

Trüffelberge in der Taverna Cassambalis

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hier nicht um ein italienisches Restaurant. Wer allerdings einen Billig-Griechen vor Augen hat, der liegt falsch. Beim Cassambalis handelt es sich um ein Restaurant der gehobenen Klasse. Und auch hier standen Trüffel auf der Karte. Nach ein paar empfehlenswerten Vorspeisen, die Linsen kann ich nur empfehlen, kamen die Trüffel. Überraschender Weise eine ziemlich große Portion. Geschmacklich nichts zu bemängeln - sieben Gramm, sagte der Kellner.

Teller mit Nudeln und Trüffel
Tagliatelle und Trüffel im Casambalis

Ich überlegte, ob man von einer Trüffel-Überdosis sterben kann - hier könnte jetzt wirklich langsam mal Schluss sein mit den Trüffeln - ist aber nicht.

Trüffelöl aus eigener Herstellung in der Brasserie am Gendarmenmarkt

Vorweihnachtliche Verpflichtungen trieben mich in die Ost-Berliner Innnenstadt. Und nach einem Museumsbesuch in die Brasserie am Gendarmenmarkt. Als Vorspeise wurde  unter anderem eine getrüffelte Rosenkohlsuppe mit Entenfilet offeriert. Tja, eh jetzt der Trüffelpegel fällt … ordere ich einfach. Also rein gehobelt wurde da nichts, aber der das Aroma war schon ziemlich … doll. Die werden doch da nicht Trüffel verquirlt haben? Nee, hatten sie auch nicht.

Getrüffelte Rosenkohlsuppe mit Entenfilet in der Brasserie am Gendarmenmarkt
Getrüffelte Rosenkohlsuppe mit Entenfilet in der Brasserie am Gendarmenmarkt

Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich um Trüffelöl aus eigener Herstellung handelt.Ist schon nicht schlecht.