Steinfigur Leser mit zwei Büchern

Kommst'e mit?

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"Heute gehen wir mal einen trinken." So, oder ähnlich fängt es an, in der Kaffeeküche. Die Arbeitskollegen blasen zum Sammeln und Aufbruch in Biergarten oder Bar. Da sagt man zu, man ist ja kein Minus-Kollege. Biergarten statt Meeting. Dann ändert sich die Situation und man ist sich nicht mehr so sicher, ob man die Runde genießen kann.

Gläser in der Bar

Ich war heute verabredet, habe mich aber entschieden die Sache abzusagen. "Das kannst'e nicht machen!", "Wie Schade!", "Wir hatten ein Date!"

Tut mir leid, ich habe diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Ich schätze es, wenn man sich außerhalb der Arbeit unterhalten kann und auch mal informell einige Dinge erfährt, die man am Arbeitsplatz nicht erfahren würde. Oder wenn man feststellt, dass der Kollege aus der Buchhaltung sich auch für klassisches Chinesisch interessiert. Auch wenn ich nicht rauche, gehe ich manchmal mit, weil rauchen für mich auch ein kommunikativer Akt ist. Die berühmten Softskills (die jede Firma heute voraussetzt) lassen sich so manchmal besser trainieren als im Meeting.

Ich bleibe zu Hause, weil ich meine Selbstbeherrschung zur Zeit schon für die Arbeit brauche. Für meine Freizeit kann ich mir zum Glück aussuchen, mit wem ich sie verbringe. Es tut mit leid für die Kollegen, die ich gern gesehen hätte und die mich möglicherweise ebenso gern gesehen hätten. Aber wer weiß wie sich die Sache entwickelt hätte? Alkohol lockert bekanntlich die Zunge und bevor ich auf den Tisch gestiegen wäre und zum Volk gesprochen hätte, hätte ich vielleicht noch einigen Leuten persönlich die Meinung gesagt. Und die treffe ich am nächsten Tag wieder. Also besser so.
Ich greife jetzt in die Hausbar und schenke mir einen Whisky ein. Das Beste daran: Der kurze Heimweg.

Die Gretchenfrage an alle Leser: Wie hältst du's (ihr) mit den Arbeitskollegen?