Steinfigur Leser mit zwei Büchern

Männer-WG mit Trinkzwang

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Ein Buch von Karsten Hohage

Buchtitel "Männer-WG mit Trinkzwang" von Karsten Hohage
"Männer-WG mit Trinkzwang" - Keine Angst, ich hatte noch ein volles Bier.

Für diese 280 Seiten habe ich nur zwei Tage gebraucht. Ein wunderbares Buch, das liest sich weg, wie Karsten Hohage vermutlich die Biere stürzt - flüssig. Der Mann kann schreiben und vermutlich auch reden, denn sonst wäre er nicht beim PoetrySlam. Wir können also einen Ausschnitt seines Lebens miterleben. Den Start ins Studium, fremde Stadt (manchmal), neue Leute (meistens), fast erwachsen, zu allem fähig und doch zu nichts zu gebrauchen. Hohage schildert wie die Suche nach einem günstigen Zimmer bei einer Studentenverbindung endet. Im Auf dem Haus gibt es Unterkunft, Bier und Geselligkeit und keine Frauen (die dort wohnen).
Studentenverbindungen werden in den deutschen Medien meist mit Burschenschaften gleichgesetzt und die sind natürlich schwer rechts, nationalistisch und ihre Mitglieder irgendwie chauvinistische Deppen. Bei Studentenverbindung denkt man unwillkürlich an Heinrich Manns "Untertan" bestenfalls an eine Tatort-Episode aus Münster, in der Börne als Alter Herr einen Mord im Verbindungsmilieu aufdeckt.

Das ist verdammt Schade, denn so wird ein sehr einseitiges Bild von Studentenverbindungen gezeichnet. Hohage hält dagegen. Bis knapp zur Selbstvernichtung verteidigt er seine neue WG. Es wird viel Bier getrunken, Freundschaften geschlossen, viel Blödsinn gemacht und manchmal knallt es auch ziemlich. Nebenbei erfährt man noch eine Menge über das Verbindungsleben, die merkwürdige Sprache, komische Regeln des Verbindungslebens und speziell bei den Veranstaltungen. Hohage ist wirklich daran gelegen ein differenziertes Bild zu zeigen und das macht auch die am Ende angefügte Übersicht deutlich, in der alle Arten der Verbindungen aufgeführt sind. Wenn nehmen sie, auf welche Farben gibt es und zu welchem Konvent gehören sie? Kann man alles erfahren.